Die Purucker-Barock-Orgel aus dem Jahr 1736 in der Friedhofskirche


Orgel Friedhofskirche„Zu wissen, daß zwischen dem würdigen Gotteshaus zu Neustadt an Culmen an einem, und dem Orgelmacher zu Marktleuthen Johann Georg Buruckern et Consorten an andern Teil folgender Kontrakt abgeschlossen worden, nämlich und vors sollen und wollen besagte Orgelmacher in die hiesige Stadtkirche eine feine Orgel und was zu solcher gehört, verfertigen ...“

Mit diesen Worten beginnt der heute noch erhaltene Vertrag aus dem Jahre 1732 zwischen der Orgelbaufirma Purucker aus Marktleuthen/Fichtelgebirge und der Kirchengemeinde über den Neubau einer Orgel für die Stadtkirche in Neustadt am Kulm. Vier Jahre später konnte die kleine aber feine Orgel im barocken Stil in Betrieb genommen werden.

Im Jahr 1892 musste die Orgel einer größeren, zweimanualigen Orgel weichen. Die Orgelbaufirma Steinmeyer überholte die alte Orgel und stellte sie in der Friedhofskirche auf. Bis heute ist die alte Barockorgel fast vollständig in ihrem Ursprungszustand erhalten geblieben. Lediglich der Zimbelstern am Mittelturm des Orgelgehäuses wurde später entfernt, als man die Orgel innerhalb der Friedhofskirche versetzt hat: Wegen des Mittelbalkens in der Längsachse der Friedhofskirche musste die betreffende Stelle des Gehäuses ausgesägt werden und der Zimbelstern weichen.
Spieltechnisch und klanglich zeigt sich das Instrument bis heute ausgezeichnet in Form. Neben einer weiteren Orgel in Rodersdorf/Sachsen ist die Orgel in der Neustädter Friedhofskirche der einzige Zeuge für das orgelbauliche Schaffen der Familie Purucker.

Die Orgel war auch Teil einer Fernsehaufnahme des Bayerischen Rundfunks. Lesen Sie dazu hier.

Die Orgel besitzt folgende Registerzüge:
Gedackt 8’ - Octav 4’ - Spitzflöte 2’ - Flöte 8’ - Principal 8’ - Gedackt 4’ - Nasat 2 2/3’ - Mixtur 3fach 1’ - Subbaß 16’

Bemerkenswert ist die kurze Unteroktave in Manual und Pedal, im Manual C-c3 nur 45 Tasten, im Pedal C-c1 nur 21 Tasten.

 

Die Steinmeyer-Orgel in der Stadtkirche Neustadt aus dem Jahr 1892


Anders, als die stark „obertönige“ alte Barockorgel, zeichnet sich die Orgel der Firma Steinmeyer durch einen typischen „romantischen“ Klang aus mit mehr „grundtönig“ sonoren Registern.
Die zweimanualige Orgel mit seiner Neurenaissance-Fassade trägt die Opuszahl 452 und wurde bei verschiedenen Renovierungsarbeiten, zuletzt im Jahr 2014, wieder weitgehend in ihren klanglichen Ursprungszustand versetzt.

Orgel Stadtkirche

Folgende Register besitzt die Steinmeyer-Orgel:
1. Manual C-f3: Principal 8’ - Bourdon 16’ - Gamba 8’ - Gedeckt 8’ - Tibia 8’ - Oktav 4’ - Traversflöte 4’ - Mixtur 2 2/3’
2. Manual C-f3: Geigenprincipal 8’ - Salicional 8’ - Lieblich Gedeckt 8’ - Fugara 4’
Pedal C-d1: Violon 16’ - Subbaß 16’ - Oktavbaß 8’ - Violoncello 8’

Die Orgel besitzt einen frei stehenden Spieltisch, mit Normalkoppeln, sowie Kegelladen mit mechanischer Traktur.